Die kommunale Wärmeplanung - 15. Lautrer Energieforum

Am 19. März 2026 fand in der Kammgarn Kaiserslautern zum fünfzehnten Mal das SWK-Energieforum statt. Im Fokus der Veranstaltung für die Bürgerinnen und Bürger stand die kommunale Wärmeplanung. Schaffen wir es, dass Kaiserslautern bis 2040 klimaneutral wird? Was können SWK und die Stadt leisten, um die Energiewende zum Erfolg zu machen?

Gruppenfoto auf der Bühne der Kammgarn im Zuge des Energieforums mit Holger Wienpahl (Moderator), Dr. Arvid Blume (Vorstand SWK), Franz Frenger (SWK Abteilungsleiter Strategie und Netze), Anna Kroschel (B.A.U.M.), Dr. Daniel Zech (Fichtner) und Manuel Steinbrenner ( Umwelt- und Baudezernent der Stadt Kaiserslautern)

Ein Expertenteam aus der Verwaltung, Planung und Energiewirtschaft stand den vielen Interessierten in der gut besuchten Kammgarn Rede und Antwort. TV-Moderator Holger Wienpahl führte, wie bereits in früheren Energieforen, gewohnt souverän durch den Abend. 

Die kommunale Wärmeplanung ist ein zentraler Aspekt der Energiewende. Sie setzt für Kommunen, Bürgerinnen und Bürger sowie für die Energieversorger den Rahmen für die Instandhaltung und den Ausbau von erforderlichen Infrastrukturen. Ziel ist die im Klimaschutzgesetz verankerte Klimaneutralität bis 2045. Die Stadt Kaiserslautern möchte dieses Ziel bereits 2040 – fünf Jahre vor dem nationalen Ziel – erreichen.  

mit ganzer Energie Titelheft

Gute Lösungen für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt 

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Beate Kimmel, Oberbürgermeisterin und Schirmherrin des Lautrer Energieforums betonte die Wichtigkeit des Ziels für die Stadt und die Menschen der Region. Dafür müssten alle an einem Strang ziehen. Das Energieforum trüge genau dazu bei. Es brächte die Menschen zusammen und böte fundierte Information aus kompetenten Quellen. „Damit die volle Wirkung entfaltet werden kann, arbeiten wir eng und partnerschaftlich mit unseren Stadtwerken zusammen. So verbinden wir strategische Ziele, technische Umsetzung und wirtschaftliche Tragfähigkeit. Am Ende zählen gute Lösungen für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt“, bilanzierte Kimmel.

Klimafreundlich, sicher und bezahlbar

Dr. Arvid Blume, Vorstand der SWK Stadtwerke Kaiserslautern bestätigte das Ziel „Klimaneutrale Stadt 2040“ als klare Richtung für uns alle. Die kommunale Wärmeplanung bilde das Rückgrat einer zukünftigen klimaneutralen Wärmeversorgung. Das sei Motivation, unsere Infrastruktur und Versorgung nach den Kriterien Klimaschutz, Versorgungs-Sicherheit und Wirtschaftlichkeit weiterzuentwickeln. Nur mit der passenden Infrastruktur ließen sich die geplanten Lösungen umsetzen. Nach dem die seismische Messungen für die Geothermie erfolgreich abgeschlossen seien, ginge es nun an die Analyse und Auswertung der Daten. 

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Die Transformation unserer Fernwärmenetze – also den Umbau der heutigen Wärmeversorgung hin zu einer klimaneutralen, nachhaltigen und zukunftsfähigen Fernwärme sieht Blume als zentrale Herausforderung. Zudem müsse sichergestellt werden, dass die vorhandene Stromnetz-Infrastruktur die zusätzliche Last durch die Wärmepumpen auffangen könne. „Das gemeinsame Ziel heißt: Klimafreundliche, sichere und bezahlbare Wärmeversorgung für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt“, schließt Arvid Blume.

Wo steht Kaiserslautern?

Umwelt- und Baudezernent Manuel Steinbrenner berichtete über die strategischen Entscheidungen seitens der Stadtverwaltung und der Stadtpolitik. Etappe eins, der erste kommunale Wärmeplan der Stadt Kaiserslautern, erstreckt sich auf die Jahre 2026 - 2030 und soll bis Ende Juni 2026 vorliegen. Die finale Version wurde im März bereits im Umweltausschuss abgestimmt und soll im Mai im Stadtrat beschlossen werden. Im Sommer 2026 werden die Bürgerinnen und Bürger nochmals umfassend über alle Ergebnisse informiert.

Expertenvortrag zeigt ambitionierte Ziele 

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Von der Stadt wurden die Planungsbüros B.A.U.M. Consult und Fichtner mit der kommunalen Wärmeplanung beauftragt. Anna Kroschel (B.A.U.M.) und gaben beim Energieforum detaillierte Einblicke in den aktuellen Planungsstand.

Während bundesweit im Jahr 1990 noch 1.251 Mio. t Treibhausgase ausgestoßen wurden, reduzierte sich der Ausstoß bis 2023 bereits auf 674 Mio. Tonnen. Der Plan für ein klimaneutrales Deutschland sieht vor, die Treibhausgase bis 2045 ganz zu verbannen. 

 

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Dem Wärmesektor kommt für die Erreichung dieser Klimaziele eine Schlüsselrolle zu. Für das Heizen und die Klimatisierung von Gebäuden sollen vor allem die Bereiche Umweltwärme (Wärmepumpe), Fernwärme und Strom (PV, Wind) zentrale Rollen übernehmen. 

Kaiserslautern wird noch von fossiler Wärme versorgt 

Bis Mitte 2025 lag der Fokus der Wärmeplanung auf der Bestands- und Potenzialanalyse, wie in Kaiserslautern geheizt wird. In 26.200 Gebäuden im Erfassungsgebiet werden aktuell  pro Jahr 967 GWh Wärmebedarf angefordert. Wohngebäude haben dabei den Hauptanteil (72%). 96 % dieser Wohngebäude werden noch mit fossiler Wärme versorgt.
Die erarbeiteten Zielszenarien sollen diesen Anteil zurückführen. Sie zeigen, wie das Heizen der Zukunft aussieht und wie die Wärmewende-Ziele strategisch und in konkreten Maßnahmen unterstützt werden können. All das wird zum Projektabschluss Ende Juni in die Wärmeplanungs-Strategie 2026 – 2030 einfließen.

Erneuerbare Energien im Fokus

Die Wärmewende wird schwerpunktmäßig vom Ausbau erneuerbarer Energien getragen. Dazu gehören Tiefengeothermie und oberflächennahe Geothermie, solare Einstrahlung (PV & Solarthermie) und Windkraft. Außerdem sollen industrielle Abwärme, Wärme aus Abwasser, Biomasse, Biogas und Wasserstoff genutzt werden. Ein Teil der Energie lässt sich zudem über energetische Gebäudesanierung einsparen. Die soll auch dafür sorgen, dass überhaupt weniger Energie benötigt wird.

In Kaiserslautern wurden und werden dazu diverse Projekte angestoßen. Dazu gehören die Machbarkeitsstudie zur Geothermienutzung und dem Aufbau eines Wärmenetzes im Einsiedlerhof, die Realisierung eines kalten Nahwärmenetzes in Dansenberg und die Detailanalyse der Stromkapazitäten zum gezielten Wärmepumpenausbau am Lämmchesberg. Ein abgestimmter Maßnahmenkatalog mit Priorisierung von kurz- mittel- und langfristigen Maßnahmen und Projekten wird Teil der Wärmeplanung sein. 

SWK gestaltet die Energiewende als Mitglied des Kernteams

Franz Frenger (SWK Abteilungsleiter Strategie und Netze) gab Einblicke, welche Rolle der kommunale Energieversorger SWK bei der kommunalen Wärmeplanung spielt und welche Aufgaben künftig auf die Stadtwerke zukommen.
Die SWK betreibt als kommunaler Energieversorger die notwendige Infrastruktur. Allen voran die Fernwärmenetze. Auch weitere relevante Netze wie z. B. zur Gas- oder Stromversorgung liegen in der Verantwortung der Stadtwerke.

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Das Team der SWK zählt zum Kernteam und unterstützt über die gesetzliche Verpflichtung zur Datenlieferung hinaus die Stadt und deren Dienstleister bei der Erstellung und Bearbeitung der kommunalen Wärmeplanung.

Ganz konkrete Aufgaben für die Stadtwerke Kaiserslautern

Es ist Aufgabe der SWK, Potenziale zum Ausbau und der Verdichtung des Wärmenetzes zu ergründen. Es gilt, die Transformation der Wärmeversorgung zu gestalten und die Auswirkungen auf die Stromnetze zu berücksichtigen. So soll das Fernwärme-Bestandsnetz solide erweitert und verdichtet werden. Darüber hinaus sind Gebiete durch Erweiterungen wirtschaftlich sinnvoll neu zu erschließen. Alles ausgerichtet auf Transparenz und Verlässlichkeit für alle Beteiligten.
In 26 Teilgebieten der Stadt sollen im Zuge der Wärmeplanung 65 Trassenkilometer neue Hauptleitungen errichtet werden. Dabei werden 6.750 neue Netzanschlüsse entstehen, die eine zusätzliche Wärmemenge von 450 GWh aufnehmen können. Alles in allem sind Investitionen von 350 Mio. Euro für die Netzerweiterung eingeplant.

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In den dezentralen Versorgungsgebieten liegt der Fokus auf der Stromversorgung, um die Lastspitzen rund um die Wärmeversorgung mit Wärmepumpen zu tragen (Schwerpunkt Winter) und die Stromerzeugung durch PV-Anlagen (Schwerpunkt Sommer) tragen zu können. Zudem müssen die Landepunkte für E-Mobilität ganzjährig eingebunden werden.

Die Transformation bei der SWK

Die Transformation im Zuge der Energiewende ist ein umfassender, langfristiger Umbauprozess, der den Übergang von fossilen Energieträgern und Kernenergie zu einer nachhaltigen Energieversorgung mittels erneuerbarer Energien beschreibt.

Die SWK betreibt diese Transformation in mehreren geplanten und aufeinander abgestimmten Schritten. Mit dem Antrag für BEW-Förderung (Bundesförderung für effiziente Wärmenetze) laufen weitergehende Untersuchungen zur Einbindung vorhandener Wärmequellen (Wärmepotenzial aus Abwasser, Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren, Überschussstrom aus EE-Anlagen). Das Projekt Geothermie befindet sich derzeit in der seismischen Auswertung. Grundlasten und Spitzenlasten müssen ermittelt, eingeplant und aufgefangen werden. Zudem erfolgen hydraulische Überprüfungen der Netze im Hinblick auf niedrige Temperaturen. Und nicht zuletzt gibt es immer wieder Best-Practice-Beispiele und intensiven Erfahrungsaustausch, sodass die SWK von anderen profitieren kann und umgekehrt.  

KWP - verantwortungsvolles Mammutprojekt der Zukunft

Die kommunale Wärmeplanung im Rahmen des Gesetztes zur Energiewende beschäftigt die Region und wird dies auch in den kommenden Monaten und Jahren tun. Wir werden Sie an dieser Stelle fortwährend über die einzelnen Bestandteile und Einzelprojekte auf dem Laufenden halten. Eins ist bereits in der Planung klar: Es geht nur gemeinsam. Deshalb an dieser Stelle schon einmal vielen Dank für Ihr Interesse, Ihre Geduld, Ihr Verständnis und Ihr konstruktives Mitwirken. Als Energiepartner der Pfalz stehen wir in der Verantwortung und freuen uns, die Zukunft gemeinsam mit Ihnen aktiv gestalten zu können.

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